Der Blog zur Abnehmen-Community: Gastbeitrag: Gibt es abnehmtaugliche Desserts? [Karin Futschik]

Bildquelle: Karin Futschik

Mit Sicherheit bin ich etwas neidisch. 

Doch, diese höchste Form der Anerkennung muss ich den ganzen Rezeptblogs zollen, die ihr Unwesen in den falschen Communitys treiben.

Sie sind adrett aufgebaut, haben tolle Fotos, tolle Ideen und bei allem miteinander läuft einem einfach nur das Wasser im Mund zusammen. Wenn solche Blogs Erfolg haben und viele Leser gewinnen, gönne ich ihnen das. Allerdings reagiere ich sehr verschnupft, wenn Foodblogger versuchen, sich neue Leser zu erschließen, indem sie ihre Rezepte wild in den sozialen Medien verteilen, ungeachtet dessen, ob das Thema gerade passt. Und wie heißt es so schön? Was nicht passt, wird passend gemacht!

Vorsicht vor gesunden Desserts

Das geht ziemlich einfach, wenn man in die Beschreibung des Blogposts die Schlagwörter "gesund", "kalorienarm", "sättigend", "Superfood", "glutenfrei", "vegan", "natürlich", "Schlank-Geheimnis", "stoffwechselanregend" und auf alle Fälle "low carb" packt.
Ob das Rezept die Kriterien dann erfüllt, ist zweitrangig. Wer prüft das schon nach? Hauptsache Klicks! Mit diesen Attributen ist ein Rezept auf alle Fälle für Abnehmforen prädestiniert. 

Auch und vor allem Desserts und Süßkram. Denn der arme Abspecker gönnt sich ja sonst nichts, sodass man ihn vor allem mit Low-Carb-Desserts bombadieren muss. Sahnetorten mit Zucker- und Mehlersatz, Brownies, Muffins, Kuchen, Kekse und Plätzchen. Es gibt alles, wirklich jedes Dessert auch in einer Low Carb-Variante. Abnehmtauglich sind sie meistens trotzdem nicht, weil sie aufgrund des hohen Fettanteils genau die gleichen Kalorienbomben sind wie die "herkömmlichen" Varianten. Allerdings laden sie dazu ein, gleich zwei Portionen zu verdrücken. Weil: Ist ja low carb! Ohne die bösen Kohlenhydrate kann man ja schlemmen ohne Ende! Sind ja gesund, die Teile! Mit einem ganzen Blech Brownies purzeln die Pfunde nur so! Garantiert! Weil... nur Kohlenhydrate machen doch dick!

Öhm. Nein. Dick macht ein täglicher Kalorienüberschuss. Schlank macht ein tägliches Kaloriendefizit. Daran ändern auch keine Stoffwechselweisheiten etwas. Und dann bleibt von einem Low Carb-Dessert genau das: eine 300-400 Kilokalorien schwere Sünde, die dir mal eben das Kaloriendefizit eines Tages zerschießen kann.

Es gibt keine Diät-Desserts

Gibt es überhaupt abnehmtaugliche Desserts? Ich esse täglich Süßkram. Kleine Portionen Schokolade, Gummibärchen, Mamba, Kekse. Meistens als Dessert. Weil mich nach dem Mittagessen der Süßhunger überfällt. Meine Desserts haben dann ca. 100 kcal - ich achte auf kleine Portionsgrößen, sodass ich den Süßhunger befriedigen kann und mein Kaloriendefizit nicht in Gefahr ist. Abnehmtaugliche und gesündere Desserts sind etwa ein Stück Obst oder Naturjoghurt mit Obst, aber auch ein fertiger Fruchtjoghurt ist kalorienmäßig noch im Rahmen, ein Smoothie, ein Pudding, angerührter Magerquark, etc.

Aber wenn man ehrlich ist, gibt es kein abnehmtaugliches Dessert. Denn ein Dessert isst man immer aus Spaß am Essen und nicht, weil man Hunger hat - der eigentliche Sinn der Nahrungsaufnahme. Damit ist ein Dessert für sich genommen schon eine Abspeckbremse. Man nimmt immer Kalorien auf, die es eigentlich nicht bräuchte und man verringert sein Kaloriendefizit dadurch immer unnötigerweise.

Jedes Dessert kann in eine Diät integriert werden

Wenn man entgegenhält, dass so ein kleines Dessert für die Psyche wichtig ist, so wie ich täglich meine kleine Süßigkeit brauche, dann ist eigentlich wieder jedes Dessert abnehmtauglich, sofern man eben wenig nimmt oder die Kalorien dafür ausgleicht. Durch Einsparungen andernorts oder zusätzlichem Sport. Wenn ich mein Frühstück weglasse und mit Mittag und Abendessen auf 700 Kilokalorien komme, dann kann ich ein Stück Schwarzwälderkirschtorte auf Omas 90. Geburtstag für 500 Kilokalorien problemlos verputzen und habe immer noch ein Kaloriendefizit. Und dann muss da nichts besonders gesund oder Low Carb sein. 

Man kann also jede Süßigkeit in seine Diät integrieren. Nur die doppelte und dreifache Menge verdrücken, weil eine Kalorienbombe inkognito als low carb daher kommt, ist eine schlechte Idee.

Ich wähle dann ohnehin das Original. Denn wenn schon Sünde, dann bitte so, dass sie es wert ist!


1 Kommentar :

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Daniel Schröder

Auf den Punkt gebracht! :)

Dazu kommt mir eine Situationen mit einem entfernten Bekannten in den Sinn, der mit Low Carb abnehmen wollte - wie so viele. Tatsächlich war es allerdings so, dass er höchstens minimal zugenommen hat. Wir haben uns dann zusammen an einen Kalorienrechner gesetzt und vergleichsweise einen Tag berechnet.

Das Ergebnis:
Dadurch, dass er die Kohlenhydrate enorm eingeschränkt hat (und das hat er wunderbar geschafft), hat er deutlich mehr fetthaltige Lebensmittel einbezogen (Unmengen Öl zum Braten, Würstchen, Käse, usw.). Wir wissen ja, dass Fett doppelt so viele Kalorien beinhaltet, wie Kohlenhydrate (die er vorher gegessen hat).

Lange Rede kurzer Sinn - Er hatte mit Low Carb mehr Kalorien aufgenommen, als mit seiner vorherigen durchschnittlich kohlenhydrathaltigen Ernährung.

Das ähnelt sehr dem erwähnten Beispiel mit dem Low Carb-Dessert. ;)


Liebe Grüße

Daniel

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