Der Blog zur Abnehmen-Community: Gastbeitrag: Rezension zu Fettlogik überwinden [Karin Futschik] }

Bildquelle: Karin Futschik
Ich habe das Buch Fettlogik überwinden in gerade einmal vier Stunden inhaliert. Das mag sicher daran liegen, dass es meine Erwartungen erfüllt und bestätigt hat. Das alleine sagt natürlich nichts aus, denn als ich damals das Schlank im Schlaf-Basisbuch gelesen habe, klang das auch alles für mich absolut logisch.

Und nun kommt Frau Hermann daher und behauptet, dass es völlig irrelevant ist, ob ich abends Kohlenhydrate zu mir nehme oder nicht.
Deshalb wundert es mich eigentlich, dass das Buch nicht mehr schlechte Rezensionen bei Amazon hat.


Denn es greift die Gewohnheiten und auch den Glauben der Menschen nicht nur an, sondern stellt sie auch noch grundlegend auf den Kopf. 

Dabei geht es um viel mehr, ob es nun den Hungerstoffwechsel gibt oder nicht oder der Körper in einen Hungermodus rutschen würde oder nicht. Wie man dieses Buch aufnimmt, hängt sehr stark von der eigenen Haltung ab. Wer ein Wundermittel erwartet, wird enttäuscht werden.

Wer liest, dass die Autorin das erste halbe Jahr mit 500 kcal täglich abgenommen hat, wird schockiert sein, 

sich vielleicht auch nicht vorstellen, dass es möglich ist, mit 500 kcal täglich auszukommen. Und die meisten werden sagen, dass das ja nicht gesund sein könne.

Je mehr man sich darüber aufregt, umso mehr rutscht in den Hintergrund, dass die Autorin keine 500 kcal-Diät empfiehlt und schon gar nicht jedem. Ihre Ausgangslage (150 Kilo und ein kaputtes Knie) erforderten für sie eine schnell Gewichtsreduktion mithilfe eines großen Kaloriendefizits. Wer motiviert ist, kann auch mehr leisten oder in dem Fall auch mehr (Hunger) aushalten. Auf ihrem Blog, den ich gestern ebenfalls durchstöbert habe, habe ich auch einen Artikel gefunden, in dem sie schreibt, dass sie die 500 Kilokalorien heute nicht mehr einhalten könnte. Für mich nicht verwunderlich, da der Anreiz, die Motivation fehlt.

Meine Erwartungshaltung

Meine Erwartungshaltung war - geprägt durch den ein und anderen Einblick zuvor, eher nüchtern. Ich wusste bereits, dass das Buch knallhart auf die Kalorienbilanz abzielt - und war eben schockiert vom Hörensagen ("Klar nimmt man mit nur 500 kcal täglich ab, aber was ist danach...?") und dachte mir, dass eine so starke Kalorienreduktion für mich eh nicht in Frage kommt, weswegen ich das Buch lange nicht gekauft habe. Nur nachdem ich jetzt wieder mit meinem Gewicht stand - es sogar als Ziel bezeichnet habe, weil ich mir fest eingeredet habe, dass ich ja gar nicht mehr abnehmen könne, damit aber nicht zufrieden war, bin ich mit mir hart ins Gericht gegangen, indem ich mich den Fakten meines Kalorientagebuchs gestellt habe und das ein oder andere ausprobiert habe. Ich gebe zu, mir erst dann das Buch gekauft zu haben, um eine "offizielle" Bestätigung meiner Erfahrungen zu bekommen und mich frei davon zu machen, was andere mir über meinen Körper und meinen Stoffwechsel sagen - mich frei von der "Fettlogik" zu machen und guten Gewissens meinen Stiefel durchziehen kann.

Erkenntnis

Für mich heißt das unter anderem auch, dazu zu stehen, dass ich mich bisher gerne selbst betrogen und angelogen habe, weil ich den Schokoriegel und die Handvoll Gummibärchen gerne mal unter den Tisch fallen ließ. Dass die Allgemeinheit der Übergewichtigen (ja, auch leichtes Übergewicht ist Übergewicht) dann gleich Entschuldigungen bzw. Fettlogiken parat hatte, kam mir natürlich nicht ungelegen. Die innere Stimme, die mir zuflüsterte, dass das aufgrund der eigenen Erfahrung unwahrscheinlich ist, habe ich mit einem Teller Nudeln erstickt. Frau Hermann sieht das zwar nicht als Ausrede oder Selbstlüge an (hier), doch ob das für einen selbst wirklich gilt, muss jeder selbst für sich entscheiden.

Wahrheiten

Man kann sicherlich ankreiden, dass auch Frau Hermann nichts anderes tut, als die Studien herauszukramen, die zu ihren Thesen passen und die zu entwerten, die es nicht tun - was sie auf äußerst überzeugende Art und Weise kann und auch macht. Mir ging es vor allem auch um die Existenz des Hungerstoffwechsels, an den ich zu gerne glauben wollte (hier). Die von der Autorin herangezogenen Studien beruhigen mich natürlich ungemein. Die Quintessenz ist, dass es, wenn überhaupt, nur zu einer geringen Absenkung des Grundumsatzes kommt, weil aufgrund von Proteinmangel Muskelmasse abgebaut wird. Diese Absenkung ist weder von Dauer, noch so gravierend, dass sie zu einem Jojo-Effekt führt. Vielmehr liegt der Jojo-Effekt daran, dass man in das Verhalten zurückfällt, dass schon zuvor zum Übergewicht geführt hat: Man isst zuviel und das Falsche. Hand in Hand geht das Thema "Gewicht halten". Die Kalorienbilanz muss einfach immer dem Leben angepasst werden. Schon kleinere Veränderungen können zu Zunahme und Abnahme führen. Für mich trifft es absolut zu, wie ich gestern schon festgestellt habe (hier). Für mich klingt das auch absolut logisch.

Praxis

Auch ankreiden kann man sicher, dass außer Theorie nur wenig Praxis an die Hand gegeben wird. Das wurde aber nicht vergessen, sondern bewusst so gewählt. Am Schluss werden verschiedene Diäten aufgezählt, die alle auf ein Kaloriendefizit hinauslaufen. Man muss einfach die Methode finden, die mit dem Alltag vereinbar ist. Wie hoch oder niedrig man sein Kaloriendefizit ansetzt (wenn man es denn überhaupt kennt) und wie schnell oder langsam man damit abnimmt, bleibt jedem selbst überlassen. Das betont die Autorin auch und zeigt anhand ihrer eigenen Diäterfahrung, dass sich Phasen und Kaloriendefizit auch abwechseln können, da die psychologischen Begleitumstände sehr bedeutend sind. Mir gefällt dieser Ansatz sehr gut, da im Allgemeinen eher ein "Bekehr-Habitus" vorherrscht, der anderen seine eigene Methode aufzwingen will. Wer jedoch noch keinen Plan von Kalorien und Energiedichte hat, wird alleine mit diesem Buch auch nicht glücklich.


Ergänzung

Er benötigt unbedingt weitere Informationen. Für mich hat sich in der Vergangenheit das Buch "Satt essen und abnehmen" als sehr praktikabel erwiesen. Zusammen mit fettarmen Rezepten aus diversen Kochbüchern und dem Internet klappt die kalorienarme Küche recht leicht und man muss auch bei einem Kaloriendefizit nicht zwangsweise hungern. Wie auch bei allen anderen Konzepten wird man sich umstellen müssen. Zu erwarten, weitermachen zu können wie bisher und nur durch die Lektüre von Abnehmliteratur auch Gewicht zu verlieren, ist mehr als blauäugig.

Fazit


Die abschließende Frage ist nun, ob man dieses Buch braucht. Nein, man braucht es nicht unbedingt, wenn man sich sowieso frei von dem Gewäsch anderer Abnehmenden machen kann und einfach sein Ding durchzieht. Man braucht es nicht, wenn man durchweg ehrlich zu sich selbst ist und sich eingesteht, dass man nicht seinen Lebensumständen gemäß isst. Eigentlich hätte auch ich es nicht gebraucht. Und dennoch möchte ich es unbedingt weiterempfehlen. Es rüstet gegen Annahmen, die man selbst zu gerne glauben möchte oder glaubt, weil sie scheinbar Grundwissen und Konsens sind. Ist es ein Vergleich mit Galileo überzogen? Die Erde ist eine Kugel? Nein, weil sie schon immer eine Scheibe war?

Das Buch ist große Motivation und im gewissen Sinne hat es mich befreit. Ein bisschen erinnert es mich an Allen Carrs Nichtraucherbibel, nur ohne das selbstverherrlichende Werbegewäsch. Vor allem gibt das Buch Hoffnung, sich nicht mit einem Körper abfinden zu müssen, den man nicht mag. Wohl auch ein Punkt, der für mich sehr wichtig ist. Ich empfehle die Lektüre also schon deshalb, um zumindest seine eigenen Denkmuster auf den Prüfstand zu stellen und vielleicht auch einfach Neues zu wagen. 10 Euro sind dafür nicht zuviel.

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