Der Blog zur Abnehmen-Community: Tagebuch: Emotionale Wucht }

101ster Post - gewidmet Heiko.

Es wird heute noch einen Tagebuch-Eintrag geben - den, den ich geplant habe...

Ich bin gerade abnehmtechnisch sehr motiviert, wahrscheinlich mehr als die letzten drei Jahre...
Das Ding ist - ich WEISS, wie abnehmen geht... wenn ich wollte, würde ich ich 1 kg die Woche abnehmen, die Therorie ist nicht schwer und - ganz ehrlich - die Praxis eigentlich auch nicht. Man muss es nur wollen... und so habe ich mich die letzte Woche auch angestrengt.

Ich hab mir ein hehres Ziel gesetzt, wochenlang wurde ich bearbeitet und jetzt bin ich wieder soweit - Ernährungskalorien gegen Sport, Plan gegen Wirklichkeit... ich hab gerade mal den FLOW, den DRIVE, das Ding halt, wie man ans Ziel kommt...

und WIE IMMER, wenn man sich das vorgenommen hat, kommt irgendwas dazwischen... Urlaub... Krankheit..... Desinteresse.... und jetzt mein bester Freund.

Seit ca. einer Woche arbeite ich darauf hin, dass ich an diesem Donnerstag mal was präsentiere - Abnehmerfolg, WILLEN, was, womit man sich sehen lassen kann...
Und was passiert?



Mein bester Freund aus Jugendtagen taucht überraschend auf. Der Mensch, dessen Trauzeuge ich bin. Trauzeuge - der Mensch im Leben, dem man wirklich vertraut, der einem wichtig ist. Und er ist das genauso für mich, oder war es zumindest. immer, auch wenn ich nicht verheiratet bin. Aber heute hab ich erst erfahren - nach zwanzig Jahren - dass er mich damals vor den "Bullies" bewahrt hat.

Um das nachvollziehen zu können - ich war immer dick und mein bester Freund war immer "der Sunnyboy"- schlank, sportlich, sexy - der Traum aller Abiturientinnen halt. Ich war - und ich zitiere - "das Hängebauchschwein".

Die fiesen Kerle hatten sich auf mich eingeschosssen - ich war nicht nur das "Hängebauchschwein", ich war ein Muttersöhnchen, fett - ach ja, führ die Liste selbst fort, das muss keine Selbstkasteiung sein.

Mein bester Freund hatte sich damals - und das hab ich heute erfahren - für mich in diese Clique eingeschmuggelt. Er hat sich die Arschlöcher genau angeschaut, die Familienverhältnissse, die tatsächlichen Machtverhältnisse... und kam zu dem Schluss: nicht ich war das Muttersöhnchen, im Gegenteil - ich machte damals Judo, ich lernte, ein harter Kerl zu sein. Die Bullies taten das, was die Mütter verlangten, zu Abiturzeiten ein Unding. Er hat mich komplett rehabilitiert, in dem er den Bullies das alles vorhielt... Ich wussste das zwanzig Jahre lang nicht: Er hat ihnen den Spiegel vorgehalten und mich aus der Schusslinie genommen.

Was mein bester Freund bis heute nicht wusste: Es gab einen Moment, wo mich diese Machtverhältnisse langweilten. Ich hatte keine Lust mehr, mich beleidigen zu lassen. Keine Lust mehr, erniedrigt zu werden, mit Sicherheit nicht verbal und schon gar nicht körperlich. Es gab diesen einen Moment: ich lebte damals in Angst vor den Bullies. Ständig. Und dann ging ich auf den Marktplatz. Begutachtete irgendeinen Stand. Und dann diese Stimme von hinten "Hey, Du Arschloch! Mach PLATZ!" Spitz auf Knopf. Ich gegen sie. Und ich hatte WIRKLICH keine Lust mehr, mich erniedrigen zu lassen. Meine Brille? Egal. Immer ein Grund, sich aus Streitigkeiten fernzuhalten. Körperlich war ich sowieso unterlegen. Sonst immer ein Grund, sich zu zurückzuhalten, aber in diesem Moment reichte es mir - ich war nicht bereit, mir noch einen einzigen beleidigen Satz gefallen zu lassen. Kämpfen? Oh ja! Brille? Egal? Ich würde JETZT um meine Ehre kämpfen, den blöden Säcken eine verpassen - ich würde mich nie wieder so beleidigen lassen!

ICH DREHTE MICH UM, BEREIT, UM MEIN LEBEN ZU KÄMPFEN - und da stand irgend so ein Depp vor mir, der einen lustigen Spruch machen wollte. Keine Gefahr für Leib und Leben, aber das spielte keine Rolle.. in den wenigen Sekunden hatte ich entschlossen, mich nie wieder fertig machen zu lassen... und das hielt mein ganzes Leben lang an... diese wenige Sekunden brachten mir Selbstvertrauen, Entschlossenheit und einfach die ein gesundes Misstrauen gegenüber selbstverliebten Arschlöchern!!!

Mein bester Freund aus Kindertagen und ich - wir haben völlig unterschiedliche Leben gelebt. In weit entfernten Städten. Und wir haben zwanzig Jahre gebraucht, um uns diese Geschichten zu erzählen - wie er mich gerettet hat, wie ich mich selbst gerettet habe, obwohl gar nichts passiert ist. Wir haben unsere Leben beeinflusst, auch wenn das nicht immer so offensichtlich ist. Ich habe auch Einstellungen und Dinge bei ihm ausgelöst, die hier nicht hingehören, aber - da wurden Leben verändert!

Und deshalb fand ich ich angemessen, mit ihm heute einen Kasten Bier zu köpfen.

Fussball?

Ja, da kann man auch ein Bierchen trinken. Aber was für ein Abklatsch gegen den heutigen Abend!
Das, was ein WM bringt, hab ich heute gehabt. Emotionen. Achterbahn. Überraschung. Was immer man großartig inszenieren könnte - mein Leben und mein bester Freund aus Kindertagen haben das heute alles getoppt. Einmal in zwanzig Jahren.

Krieg ich mein Abnehmziel heute hin? Hey, Bitch... der Kasten Bier heute war wichtig. Wichtiger als so vieles der letzten zwanzig Jahre....




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